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6:40 Uhr
15.12.2019

"Gärten für alle"
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) informiert:

"Gärten für alle"
Volkskundler des LWL gehen den westfälischen Gemeinschaftsgärten auf den Grund

Münster (lwl). Die Volkskundler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben es sich in ihrem aktuellen Forschungsprojekt zur Aufgabe gemacht, die westfälischen Gemeinschaftsgärten zu untersuchen. "Der Prinzessinnengarten in Berlin-Kreuzberg sorgt weltweit für Aufsehen, und auch die Interkulturellen Gärten in Göttingen haben Schule gemacht. Das hat uns zu der Frage geführt, wie die Situation hier in Westfalen aussieht", erklärt Evelyn Hammes von der Volkskundlichen Kommission für Westfalen.

Um die verschiedenen Facetten westfälischer Gemeinschaftsgärten, ihre kulturellen Hintergründe und Motive, zu erfassen und zu analysieren, wollen die LWL-Volkskundler sechs bis acht unterschiedliche Gartenprojekte dokumentarisch begleiten und die Forschungsergebnisse in Buchform veröffentlichen. "Es geht uns nicht ums Erbsen zählen, sondern wir interessieren uns für den Garten als soziales Experimentierfeld, als gemeinsame Vision", so die Volontärin Evelyn Hammes. "Da sich einige Gärten wie in Minden und in Dortmund-Hörde gerade erst im Aufbau befinden, bietet sich uns die einmalige Chance, die Entwicklungen von den ersten Spatenstichen an zu verfolgen und zu schauen, was aus den großen Visionen wird."

Hintergrund
Gärtnern in Gemeinschaft stellt für immer mehr Städter einen Anreiz dar: aus Brachland eine grüne Oase zu zaubern, gemeinsam in der Erde zu buddeln und in gemütlicher Runde den Tag im Freien ausklingen lassen. Dabei geht es den meisten Beteiligten um mehr als bloßes Freizeitvergnügen - sie haben den Garten als Medium für Integrationsprozesse, Umweltbildung und bürgerschaftliches Engagement entdeckt. In interkulturellen Gärten können Migranten wie Deutsche über den eigenen Anbau von Obst und Gemüse Alltagskontakte knüpfen und praktizieren auf diese Weise Integration auf Augenhöhe. "Seit einigen Jahren beginnen lokale Akteure hier in Westfalen, sich intensiv mit dem Aufbau von Gemeinschaftsgärten aller Art zu beschäftigen, und das vorwiegend auf ehrenamtlicher Basis" betont Christiane Cantauw, Geschäftsführerin der Volkskundlichen Kommission für Westfalen. "Gerade in sozialen Brennpunkten kann das Naturerleben im Garten helfen, neue Perspektiven für den Umgang mit Mensch und Umwelt zu eröffnen."

Im Internationalen Mehrgenerationengarten in Lippstadt haben die Stadtteilbewohner eine Boule-Bahn, einen Naschgarten und einen Steinbackofen angelegt. Kindergartengruppen, türkische und deutsche Frauen treffen sich hier, um unter freiem Himmel gemeinsam Pizza zu backen. Hobbygärtner aus unterschiedlichsten Herkunftsländern pflanzen auf ihren Parzellen Gemüse und sollen sich dabei ein Stück weit selbst mit der neuen Heimat verwurzeln. Auch in der Siedlung Weißenburg in Münster steht der Anbau von Nutzpflanzen hoch im Kurs. Georg Heinrichs vom "BewohnerInnen-Verein" der autofreien Siedlung versteht den Gemeinschaftsgarten "Paradeiser" als Schritt in Richtung Umwelterziehung:

"Es kommt eben auf die Symbolik an. Und auf die Gemeinschaft, dass man gemeinsam etwas macht, gemeinsam etwas pflanzt, gemeinsam etwas erntet, gemeinsam etwas davon hat. Und dass man eben versucht, wieder in die natürlichen Kreisläufe zurück zu kommen."

"Mit ihrem ökologischen Gemüseanbau wollen die Hobbygärtner auch ein politisches Statement setzen gegen die industrialisierte Nahrungsmittelindustrie und die Ausbeutung des Bodens. So viel Eigeninitiative für Flächen des öffentlichen Raums erfordert von Seiten der Behörden ein Umdenken", so Hammes. Während manche Garteninitiativen einen zähen Kampf gegen bürokratische Barrieren führen müssten, werde der Gemeinschaftsgartenaufbau andernorts, wie zum Beispiel in Dülmen, von Seiten der Stadtverwaltung gefördert.



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