Konferenz "G20 Compact with Africa" - 29. bis 31. Oktober 2018 - Empfang in Berlin Schloss Bellevue

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat an der Afrikakonferenz teilnehmenden Staats- und Regierungschefs ins
Schloss Bellevue eingeladen.

Ich freue mich sehr, Sie heute, nur etwas mehr als ein Jahr nach der letzten G20-Konferenz in Deutschland, in Berlin, hier im Schloss Bellevue, willkommen zu heißen. Viele von Ihnen waren schon im vergangenen Jahr meine Gäste. Die Partnerschaft und der
regelmäßige Austausch mit Ihnen sind mir sehr wichtig.

Europa und Afrika verbindet eine gemeinsame, alles andere als einfache Geschichte. Vor allem aber, davon bin ich persönlich überzeugt und dafür werbe ich in meinem Land, verbindet uns eine gemeinsame Zukunft. Afrika und Europa, Europa und Afrika brauchen einander.

Ich begrüße es, dass die Bundesregierung den "Compact with Africa" angestoßen hat. Es steht für einen neuen Aufbruch in unseren Beziehungen mit den Ländern Afrikas. Vor allem aber sehe ich mit Respekt und Anerkennung den Weg, den ihre Länder
zurückgelegt haben und den Aufbruch, der in vielen Ländern Afrikas spürbar ist. Ich habe es selbst auf meiner Reise nach Ghana und nach Gambia spüren können, und ich freue mich auf meine nächste Reise, die mich bald ins südliche Afrika führen wird.

Wir wollen neue strategische Partnerschaften begründen mit ihren Ländern. Eine Partnerschaft, die Afrika und Europas Kräfte und Möglichkeiten mobilisiert für eine gemeinsame Zukunft. Es ist ermutigend, dass sich die deutsche Wirtschaft
stärker in Afrika engagiert, insbesondere in den Compact-Ländern. Da gibt es ein großes Potenzial für weitere Entwicklung. Ich bin neugierig auf ihre Erfahrungen und ihre Anregungen dazu.

Afrika, dieser riesige Kontinent mit seinen 54 Ländern, mit seiner faszinierenden Geschichte und seinem kulturellen Reichtum, ist so vielfältig, dass wir ihm nicht gerecht werden,
wenn wir ihn als monolithischen Block wahrnehmen. Das eine Afrika gibt es nicht. Auch Sie, sehr geehrte Gäste, kommen aus
neun Ländern, die sehr verschieden sind. Aber es ist unser gemeinsames Interesse, dass der Kontinent in seiner Gesamtheit
stark ist, weil er eine so wichtige Rolle für die Zukunft unseres Planeten spielt.

Ich bin neugierig auf ihren Blick auf ihren eigenen Kontinent.
Auf die Versuche etwa, eine Afrikanische Freihandelszone Wirklichkeit werden zu lassen. Auf schwierige Themen auch, wie
bewaffnete Konflikte, Hunger und Bevölkerungswachstum.

Wir verstehen heute auch in Europa besser, dass wir auf die globalen Herausforderungen nur gemeinsam mit den afrikanischen,
Ländern Antworten finden können. Ich denke dabei an die Erderwärmung, das Artensterben, oder an die Verschmutzung der
Meere. Ich denke aber auch an das Thema Migration, dass heute in Europa viele, manchmal zu viele Debatten über Afrika prägt und dominiert.

Es ist verständlich, wenn sich Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben auf den Weg machen. Aber wir sollten auch
offen darüber reden, welche Folgen das hat, und zwar für beide
Seiten. Europa kann sich nicht als Festung abschotten. Für die
afrikanischen Länder kann es aber auch keine Lösung sein, wenn
Menschen in großer Zahl und auf lebensgefährlichen Wegen den Kontinent verlassen, um in Europa Arbeit und ein besseres Leben
zu finden.

Umso wichtiger ist es, dass es uns gemeinsam gelingt, die Lebensperspektiven vor allem für die jungen Menschen in ihren
Ländern zu verbessern. Ein Schlüssel dafür ist nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Sie braucht eine gute Infrastruktur. Sie braucht gute Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Engagement. Vor allem braucht sie Investitionen in Bildung und Ausbildung.

Ich glaube nicht daran, dass wir Europäer die Antworten auf die
Herausforderungen in den Ländern Afrikas haben. Den Kontinent
voranbringen können nur afrikanische Lösungen. Aber ich glaube
an eine gemeinsame Zukunft von Afrika und Europa. Der Aufbruch
in dieser Zukunft ist unsere gemeinsame Verantwortung. Deshalb
bin ich dankbar, dass Sie so zahlreich heute Abend den Weg an
meinen Tisch gefunden haben.

Herzlichen willkommen. Ich freue mich auf unseren Austausch.

(Teilnehmer der Staats/Regierungschefs aus: Äthiopien, Ägypten,
Benin, Cote d`Ivoire, Ghana, Guinea, Marokko, Ruanda, Senegal,
Togo und Tunesien, sowie weitere.

Info: Bundespräsidialamt
Alle Fotos: h.e.schiewer Oestrich-winkel hespress
















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