Wirtschaftsrecht und der Weg zur passenden Wirtschaftsrechtskanzlei (FOCUS-Spezial)

Auch 2014 Jahr machte sich das Nachrichtenmagazin FOCUS wieder auf die Suche nach den besten Wirtschaftskanzleien in Deutschland. Im Print-Spezial „Deutschlands Top-Anwälte“ finden sich derzeit Listen, die auf Empfehlungen von ca. 2.600 Anwälten aus Wirtschaftskanzleien beruhen. Die meisten der genannten Kanzleien für Wirtschaftsrecht kommen aus den Ballungsräumen Berlin, Hamburg, München und Frankfurt. Die Publikation wirft nicht nur die Frage auf inwieweit solche Bestenlisten sinnvoll sind, sondern auch die nach dem richtigen Weg auf der Suche nach der passenden Wirtschaftskanzlei bzw. Kanzlei für Wirtschaftsrecht.



Was ist Wirtschaftsrecht und wer benötigt eine Wirtschaftskanzlei?

Wirtschaftskanzleien betreuen in erster Linie Unternehmen. Hierzu gehören Gesellschaften wie Aktiengesellschaften, GmbHs, Personengesellschaften und Einzelunternehmen. Die Mandanten können sowohl Gewerbetreibende als auch Freiberufler sein. Klassische Bereiche des Wirtschaftsrechts sind das Gesellschaftsrecht, M&A, Handels- und Vertriebsrecht, der gewerbliche Rechtsschutz, das Arbeitsrecht und das Steuerrecht. Wirtschaftskanzleien sind nicht nur für größere Unternehmen tätig. Auch kleinere Unternehmen oder Startups sehen immer mehr die Notwendigkeit der Betreuung durch eine Kanzlei, die sie umfassend aus einer Hand bei allen mit dem Geschäftsbetrieb zusammenhängenden rechtlichen Fragestellungen beraten kann. Viele gute Wirtschaftskanzleien bieten zudem nicht nur die Vertretung im Wirtschaftsrecht sondern auch die Erledigung der laufenden Steuerberatung an. Gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen ist es von Vorteil, wenn die Wirtschaftskanzlei neben den klassischen Disziplinen des Wirtschaftsrechts auch Kompetenz z.B. im Erbrecht und Familienrecht hat, um Unternehmer auch in Fragen rund um die Bereiche Testament, Erbschaft, Ehe und Scheidung beraten zu können.



Empfehlung oder Internet – die Suche nach der Wirtschaftskanzlei

Die persönliche Empfehlung durch Bekannte und Geschäftspartner ist nach wie vor von großer Bedeutung bei der Suche nach einer guten Wirtschaftskanzlei. Rankings wie das vom FOCUS sind ein weiterer Ansatz. Die renommierte JUVE-Liste führt ganz überwiegend Großkanzleien auf, die für kleinere und mittelständische Unternehmen oft nicht die erste Wahl sein dürften. Auskünfte der lokalen Rechtsanwaltskammern sind eher für die Suche nach einzelnen Anwälten für bestimmte Rechtsgebiete und weniger für die Suche nach Wirtschaftskanzleien geeignet. Wachsende Bedeutung gewinnt die Recherche im Internet. Ein guter Auftritt in Online-Portalen für Kanzleien und eine gute Platzierung bei Google sagt jedoch noch nichts über die Qualität der Beratung im Wirtschaftsrecht aus.



Kriterien für die passende Kanzlei – worauf der Unternehmer achten sollte

Hat man eine Auswahl von Wirtschaftskanzleien durch die obigen Empfehlungskanäle gefunden – was in Ballungsräumen wie Berlin, Hamburg oder München deutlich leichter als in der Provinz ist – sollte die Entscheidung auf den nachfolgenden Kriterien beruhen.

Zunächst muss die Ausrichtung der Kanzlei zu den Bedürfnissen des Unternehmens passen. Vertriebsorientierten Unternehmen wird ein Schwerpunkt im Vertriebsrecht, Markenrecht und Wettbewerbsrecht wichtig sein, anderen Mandanten dagegen vielleicht das Gesellschaftsrecht oder auch Arbeitsrecht. Für alle im Geschäftsbetrieb aufkommenden Rechtsfragen sollte die Kanzlei über entsprechende Experten verfügen. Dies können Fachanwälte oder auf andere Weise spezialisierte Rechtsanwälte sein. Die einzelnen Spezialisten sollten als Team zusammenwirken. Dafür muss die Wirtschaftskanzlei so strukturiert sein, dass stets die Bearbeitung durch den qualifiziertesten Berufsträger am jeweiligen Standort gewährleistet ist. Wenn wichtige Rechtsgebiete zumindest doppelt besetzt sind, kann die Betreuung auch bei Urlaubs- und Krankheitsabwesenheit einzelner Anwälte ohne große Nachteile weiter erfolgen.

Das alles setzt voraus, dass die im Wirtschaftsrecht tätige Kanzlei eine gewisse Größe hat. Für bestimmte Unternehmen können auch mehrere Kanzleistandorte oder eine internationale Ausrichtung wichtig sein. Soll die Wirtschaftskanzlei auch die laufende steuerliche Beratung vornehmen, reicht hierfür nicht ein Rechtsanwalt für Steuerrecht. Erforderlich sind vielmehr Steuerberater mit entsprechenden Fachangestellten und Buchhaltungskräften.

Schon vor dem ersten Beratungsgespräch kann man sich auf der Kanzlei-Homepage ein Bild über die aufgeführten Kriterien machen. Gute Kanzleien sind in der Regel diesbezüglich transparent und liefern Interessenten diese Informationen online. Der erste Termin in der Kanzlei sollte gegebenenfalls mit mehr als einem Anwalt stattfinden, wenn verschiedene Schwerpunkte Gegenstand der Beratung sein sollen.

Die fachliche Eignung von Rechtsanwälten können Unternehmer häufig schon im ersten Beratungstermin bei der Erörterung von Rechtsfragen einschätzen. In einem solchen Termin sollten dann auch Fragen zur Zuständigkeit betreuender Berufsträger und zum Honorar geklärt werden. Und natürlich sollte dann auch die Chemie zwischen dem Anwalt und dem Entscheidungsträger des Unternehmens stimmen. Ein gutes Mandatsverhältnis auf persönlicher Ebene ist ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor für die Betreuung im Wirtschaftsrecht.



Wirtschaftsrecht muss wirtschaftlich sein – Honorare von Wirtschaftskanzleien

Wirtschaftskanzleien rechnen ihrer Leistungen nach Zeitaufwand – in Ausnahmefällen auch nach den gesetzlichen Gebühren für Rechtsanwälte oder Steuerberater – ab. Je nach Standort und Größe der Kanzlei bewegen sich die meisten Stundensätze zwischen 200 und 500 Euro zuzüglich Umsatzsteuer und Auslagen. Pauschalen und Festpreise sind noch eher die Ausnahme, da sich der Aufwand für viele Tätigkeiten im Wirtschaftsrecht nicht seriös schon im Vorfeld konkret genug einschätzen lässt. Auch für Wirtschaftskanzleien gilt der Grundsatz, dass der beste Anwalt nicht selten auch der günstigste ist. Ein erfahrener Spezialist wird nämlich in der Regel Mandate deutlich schneller bearbeiten können als weniger spezialisierte Kollegen. Ein etwaiger höherer Stundensatz wird dadurch häufig mehr als kompensiert.



Der Autor und die Kanzlei

Rechtsanwalt Dr. Boris Schiemzik ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Handelsrecht und Gesellschaftsrecht der Kanzlei ROSE & PARTNER LLP. Gemeinsam mit weiteren Fachanwälten u.a. für Gesellschaftsrecht, Handelsrecht, Steuerrecht, gewerblichen Rechtsschutz und Erbrecht betreut er an den Standorten Hamburg und Berlin gewerbliche Mandanten und Freiberufler im Wirtschaftsrecht.

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