BPr. Christian Wulff : Diplomaten-Parrade im Schloss Bellevue

Eindrucksvolles Erlebnis am Dienstagmorgen 11:00 Uhr im
Langhans-Saal von Schloss Bellevue:
Bundespräsident Christian Wulff lud zum traditionellen Neujahrsempfang des Diplomatischen Korps.
Bundespräsident Wulff tritt ein (neben der Standarte),Guido Westerwelle und Hans-Jürben Beerfeltz links nebendran.Zuvor auf der anderen Seite Parlamentarier und Staatssekretäre.
Dann der Aufruf des Vertreters des Diplomatischen Korps
" Business as ususal ", erste Adresse des Landes.
Für 200 Diplomaten Händeschütteln und viele aufmunternde
Worte für Christian Wulff.
Zuerst schüttelt er die Hände von S.E.Erzbischof Jean-Claude Périsset,dem Apostolischen Nuntius als Vertreter des Heiligen Stuhls.
Unter den 200 Diplomaten auch S.E. Herr Philip D. Murphy
(Vereinigte Staaten von amerika), S.E. Herr Berdymurat Redjebov (Turkmenistan),S.E. Essohanam Comia Paka (Republik Togo),S.E. Herr Dr. Osama Shobbokshi (Königreich Saudi-Arabien),S.E. Herr Mohammed Ahmad Al-Mahmoud (Vereinigte Arabische Emirate), S.E. Herr Dr. Chem Widhya (Königreich Kambodscha) und viele weitere teils in ihren landestypischen Gewändern,dazu hohe Mitarbeiter internationaler Organisationen.
Nachfolgend die Rede des Bundespräsidenten am 10.Januar 2012 beim Neujahrsempfang für das Diplomatische Korps im
Schloss Bellevue (Wortlaut übernommen von Presse/bpra.

Herlizch Willkommen in Schloss Bellevue.
Herr Nuntius, haben Sie vielen Dank für die guten Wünsche zum neuen Jahr,die Sie im Namen des Diplomatischen Korps ausgesprochen haben.Ich erwidere sie gerne.
Vor wenigen Wochen haben wir von Václav Havel Abschied genommen.Zehntausende Menschen erwiesen ihm in Prag die letzte Ehre.Die Trauerfeier machte das beeindruckende Erbe deutlich,das er uns hinterlässt.Václav Havel trat in Zeiten politischer Unfreiheit standhaft für universelle Werte ein.Er war und ist Vorbild für viele,die sich nach Selbstbestimmung und Gerechtigkeit sehnen.
Mich hat im vergangenen Jahr sehr bewegt,eindrucksvolle Präsidenten zu treffen,die früher ebenfalls selbst zeitweilig politisch verfolgt wurden, weil sie für ihre Überzeugungen einstanden: Meinen Freund Bronislaw Komorowski aus Polen mehrfach, Dilma Rousseff aus Brasilien, José Mujica aus Uruguay und Zillur Rahmann aus
Bangladesch.
Persönlichkeiten wie sie zeigen uns,dass der Einsatz für
Demokratie und die Achtung der Menschenrechte große Entbehrungen fordern,aber auch unter widrigsten Umständen
am Ende doch zum Erfolg führen können.
Immer mehr Länder sind dabei,die universellen Grundsätze
von Demokratie und Menschenrechte zu verwirklichen.In vielen Ländern,auch und gerade in der arabischen Welt,beweisen Menschenrechtsverteidiger derzeit großen Mut,diese Pronzipien durchzusetzen.Unbewaffnete Bürger , auf die geschossen wird,dürfen wir nicht alleine lassen.
Deutschland steht auf der Seite der friedlichen Reformkräfte - das war auch eine zentrale Botschaft meines Besuchs in der Golfregion vor einigen Wochen.
Gleichzeitig suchen wir den Dialog mit jenen,die noch nicht so weit sind,aber für den Austausch mit uns ein offenes Ohr haben.
Menschenrechte zu achten heißt auch,auf Unterschiede Rücksicht zu nehmen und Vielstaltigkeit wertzuschätzen.
Einheit in Vielfalt:Dies ist der Leitsatz vieler politischer Gemeinschaften auf der Welt - von den Vereinigten Staaten über Indonesien bis zur Europäischen
Union.Damit diese Idee Wirklichkeit werden kann,ist es wichtig,dass Menschen sich respektieren und miteinander ins Gespräch kommen.Das gilt weltweit,auch hier in Deutschland.Fremdenhass,Gewalt und politischen Extremismus werden wir nicht dulden.Unser Staats steht für das Leben und die Freiheit aller,die in Deutschland leben,ein.Jede und Jeder ist aufgerufen,dazu beizutragen,dass dies gelingt.In Abstimmung mit den anderen obersten Verfassungsorganen lade ich für den 23.
Februar zu einer Gedenkfeieer für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt in Deutschland ein,um ein
deutliches Zeichen zu setzen.
Mit geht es darum,der Vielgestaltigkeit in unserer Welt offen,verantwortungsvoll und mit Empathie zu begegnen.
Im Inland,indem ich die gesellschaftliche Breite in Deutschland anerkenne - und dazu gehört auch der Islam.
Und gegenüber dem Ausland,indem ich für kulturübergreifenden Dialog werbe - nicht zuletzt in meinen Gesprächen mit Religionsführern wie Pabst Benedikt XVI.oder bei Foren wie der UN-Allianz der Zivilisationen in Doha,Katar.
Offenheit zum Gespräch und verantwortungsvolles Handeln sind auch nötig,wenn wir bei politischen Krisenherden vorankommen wollen.Gleichzeitig müssen wir aber denen entschieden entgegentreten,die internationales Recht missachten,Gewalt gegen friedliche Menschen anwenden oder
sich gar terroristischer Mittel bedienen.
Um Instabilität und Armut zu bekämpfen,kommt es darauf an,Transparenz,Rechtsstaatlichkeit und gutes Regiern zu
stärken.Denn die folgen schwacher Staatlichkeit - das zeigen Probleme wie Terrorismus,Piraterie und Drogenhandel - betreffen uns alle.
Der globale Klimawandel stellt eine weitere Gefahr da.Hier gilt es,gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.Die
für Juni 2012 geplante Rio+20-Konferenz bietet dafür ein
wichtiges Forum und eine große Chance,um weltweit mehr
Nachhaltigkeit zu erreichen.
Gleichzeitig profitieren viele,auch ärmere Länder von den
Handels-und Investitionsströmen im Zuge der Globalisierung.Entscheidungen wie die deutsche Energiewende erschließen neue Felder für die wirtschaftliche Kooperation - etwa bei der Energieeffizienz.Deutschland will im Interesse eines effektiven Klimaschutzes international eng zusammenarbeiten.
Europa steht seit Monaten unter dem massiven Druck der
globalen Finanzmärkte.Der Druck konnte nur deshalb so groß werden,weil Staaten und Haushalte sich exzessiv verschuldeten und ihre Wettbewerbsfähigkeit vernachlässigten.Nun müssen verlorene Wettbewerbsfähiglkeit,verlorene Gestaltungsspielräume und
Vertrauen zurückgewonnen werden.
Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben begonnen
notwendige Strukturreformen in die Wege zu leiten.Jetzt
geht es für die Regierungen in Europa darum,dauerhaft stabilitätsorientiert vorzugehen und Reformen zum Vorteil
von möglichst vielen Menschen,ganz besonders der Jugend,durchzusetzen.Der Weg der ökonomischen Gesundung erfordert - im übrrigen nicht nur in Europa,sondern an vielen Orten - große politische und gesellschaftliche
Anstrengungen,er benötigt Zeit und Ausdauer.Wir werden zu
sichern haben,was uns Europa in den vergangenen Jahrzehnten an Gutem gebracht hat.Für den intensiven Meinungsaustausch mit nahezu allen 26-EU-Botschaftern bin
ich sehr dankbar gewesen.
Bei der Regelung der Finanzmärkte bedarf es auch auf Ebene der G-20 noch weit ehrgeizigerer Maßnahmen als das,
was bislang dazu vereinbart werden konnte.
Ich bin mir sicher:Der Weg der Erneuerung wird sich lohnen.In Europa geht es gleichzeitig auch darum,für einen stärkeren institutionellen Rahmen der Währungsunion
zu sorgen und die demokratische Legitimität der auf europäischer Ebene getroffrenen Entscheidungen zu stärken.
Das sind beachtliche Aufgaben.
Ich bin überzeugt,dass Europa sie meistern kann.Voraussetzung ist,dass wir uns auf den Geist der Gemeinsamkeit besinnen,der die friedvolle Einigung unseres Kontinents in den vergangenen Jahrzehnten ermöglicht hat.Die gegenseitigen Abhängigkeiten in Europa
und der Welt erfordern,Politik kooperativ zu gestalten.
Ein Zurück in die nationale Nische wird es nicht geben.
Gemeinsames Nachdenken,gemeinsames Entscheiden und gemeinsames Tragen von Verantwortung für die Entwicklung
der Welt müssen unser Vorgehen bestimmen.Hierbei kommt den Vereinten nationen als dem legitimen universellen Ort
die zentrale Bedeutung zu.
Deutschland wird sich als nicht ständiges Mitglied im
Sicherheitsrat auch weiterhin für eine Stärkung der Handlungsfähigkeit der Vereinten Nationen einsetzen.
Erlauben Sie mir, am Ende auf Válav Havel zurückzugreifen
der über die Zweideutigkeit des schönen deutschen Worts " Heimat " reflektierte: " Wir sollten lernen ",so
Václav Havel, " die Heimat wieder - so wie es wahrscheinlich einst geschah - als unseren Teil der Welt im Ganzen zu empfinden,das heißt als etwas,das uns einen
Platz in der Welt verschafft,statt uns von der Welt zu trennen."
Ich möchte,dass Deutschland als verlässlicher und fairer
Partneer seine Aufgaben in der Welt wahrnimmt.Deshalb suche ich den engen Kontakt mit meinen Amtskollegen und
anderen Entscheidungsträgern weltweit.Ich bin dabei auf die Zusammenarbeit mit Ihnen allen angewiesen und diese
ist vorzüglich.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien sowie den Mitarbeiterinnen und Mitaarbeitern Ihrer Botschaften ein
glückliches und friedvolles neues Jahr 2012.

alle Bilder: copyright by h.e.schiewer

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