Auf der photokina 2010 - der Biennale der World of Imaging - wird die
Fotobranche erneut umfassend ihre einzigartige Innovationsfreude, ihre
gewaltige Wirtschaftskraft und ihre wachsende gesellschaftliche Bedeutung
demonstrieren. Revolutionäre Weiterentwicklungen der Bildtechniken lassen
bahnbrechende Veränderungen bei der Aufnahme, Bearbeitung,
Präsentation und Nutzung von Bildern erwarten.
Kein Medium hat sich über die Zeit in seiner Technik so dynamisch
weiterentwickeln, seine Nutzungsmöglichkeiten so dramatisch erweitern oder
in seiner wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung derart steigern
können wie die Fotografie. Alle zwei Jahre trifft sich in Köln auf der photokina
- der Weltmesse des Bildes - die Branche, um weitere Innovationen zu feiern
und die Trends für die Zukunft zu identifizieren. Einige davon werden schon
heute als Vorboten der Zukunft deutlich:
Konvergenz und Divergenz
Die Digitaltechnik hat das Zusammenwachsen von Foto und Video
ermöglicht. Filme und Fotos können in höchster Qualität mit nur einem Gerät
aufgezeichnet werden. Camcorder können fotografieren und Kameras
filmen. Filme lassen sich wie Fotos einfach auf einer Vielzahl von Geräten
vorführen und über das Internet austauschen. Doch die Konvergenz auf der
einen Seite führt zu weiterer Spezialisierung auf der anderen. Innovative,
handyartige Geräte machen das Filmen in HD-Qualität so einfach wie nie.
Umgekehrt lassen sich mit digitalen SLR-Kameras professionelle Filme inKinoqualität produzieren. Alle Facetten der Trends zur Konvergenz und zur
Spezialisierung digitaler Aufzeichnungsgeräte werden auf der photokina
2010 in Funktion zu sehen sein.
Die dritte Dimension
Schon früh in der Geschichte der Fotografie suchten Filmer und Fotografen
nach Technologien zur räumlichen Darstellung. Die Realisierung der dritten
Dimension in Foto und Film eröffnet nun neue Möglichkeiten für die
Unterhaltung, Information und Kommunikation. Ob Kino, Fernsehen,
Projektion, Bilderrahmen oder das gedruckte Bild - 3D-Effekte bereichern die
moderne Bilderwelt. Neben neuen Aufzeichnungsgeräten für Fotos und
Filme in 3D werden auf der photokina 2010 auch die neuesten Trends bei
den Fernsehgeräten, Bilderrahmen, Handys, PC-Monitoren oder
Multimediaplayern für den dreidimensionalen Bildgenuss zu sehen sein.
Revolution in der Königsklasse
Die Kunst zum Bewahren und Erneuern kennzeichnet die Welt der
Fotografie ganz besonders. Technische Revolutionen verstärken auch immer
die Anstrengungen, altbewährte und beliebte Techniken zu erhalten und zu
erneuern. Selbst im dramatisch schrumpfenden Markt der Filme gibt es noch
Weiterentwicklungen. So gilt es beispielsweise, die Wiedergeburt des
Sofortbildfilms zu feiern. Auch die Schaffung einer neuen Klasse von
Kameras mit Wechselobjektiven wird die Anhänger der bisherigen
Königsklasse, sprich der Spiegelreflexfotografie, nicht sofort mit fliegenden
Fahnen das Lager wechseln lassen. Im Gegenteil, die Breitenfotografie wird
durch die neue Kameraklasse wichtige Impulse erhalten und den Wunsch
nach höherer Bildqualität sowie nach zusätzlichen kreativen
Gestaltungsmöglichkeiten für noch mehr Menschen erfüllbar machen.Hardwareverbesserungen durch Software
Intelligente Software hilft, die technischen Grenzen der Hardware zu
überwinden. Kameras kennen eventuelle Schwächen der verwendeten
Objektive und korrigieren diese bereits bei der Bildaufzeichnung. Ansätze für
die rechnerische Korrektur von technisch gar nicht oder nur sehr aufwändig
und teuer zu vermeidender Abbildungsfehler gibt es sowohl als Firmware-
Lösung wie auch in Form von Modulen in Programmen zur RAWDatenkonvertierung
und Bildbearbeitung. Aber nicht nur Fehler lassen sich
durch innovative Software ausgleichen. Durch ausgeklügelte Programme
lassen sich heute bisher für unmöglich gehaltene Fotos spielend realisieren.
Wie sich die optimal abgebildeten Details unterschiedlicher Einzelaufnahmen
zu einem perfekten Foto kombinieren lassen, bedeutet eine Umwälzung in
der Aufnahmetechnik und Bildbearbeitung. Serienaufnahmen mit Focus-
Bracketing können zur Erweiterung des Schärfenraums dienen. Die
Kombination unterschiedlicher Einzelaufnahmen kann bewegte Objekte aus
dem Bild entfernen. Mit Multi-Shot-Techniken lässt sich beispielsweise
Unschärfe durch Verwacklung reduzieren, das Rauschen verringern oder
Kontraste optimieren. Fast täglich kommen neue Anwendungen hinzu, die
den entscheidenden Augenblick, den es früher im Foto einzufangen galt,
durch eine Aufnahmereihe ersetzt. Ein neuer Trend in der Multi-Shot-Technik
ist die dreidimensionale Darstellung von Objekten durch die Verknüpfung
zahlreicher Einzelbilder.
Digitale Ordnungshüter
Die von der digitalen Fotografie verursachte Bilderflut stellt auch ganz neue
Anforderungen an die Verwaltung und Archivierung der Bilder. Intelligente
Software hilft den Fotografen dabei, einfach Ordnung zu halten. Sie kann
sich Gesichter merken und Personen zuordnen, sie erkennt Orte,Landschaften und Bauwerke wieder, kennt ihre Namen und kann den
Aufnahmeort von Fotos automatisch auf der Landkarte anzeigen. Mithilfe
ausgeklügelter Algorithmen kann Software Bilder automatisch mit nur einem
Mausklick für Fotobücher zusammenstellen und dabei nicht nur die
Reihenfolge nach Datum und Uhrzeit bestimmen, sondern auch aus
mehreren Fotos das technisch beste aussuchen oder für die Wahl der
Abbildungsgröße auch die Auflösung berücksichtigen.
Objektiv gesehen
Für die Augen der Kameras, die Objektive, sind die neuen digitalen
Techniken, steigende Pixelzahlen, veränderte Aufnahmeformate und die
erhöhte Nachfrage nach extremen Brennweiten stets neue
Herausforderungen. Auch die neuen, digitalen Aufnahmesysteme für die
professionelle Video- und Kinoproduktion verlangen nach neuen Objektiven
mit extremer Auflösung, hervorragender Korrektur von Verzeichnungen und
Vignettierung und hoher Lichtstärke. Hier kommen neuartige Methoden der
Linsenfertigung und Vergütung mit Nanoschichten zum Einsatz, die
exzellente Abbildungsleistungen ermöglichen.
Auf der vom 21. bis 26. September 2010 in Köln stattfindenden photokina
werden wieder die Weichen zur Zukunft der Fotografie gestellt. Hier können
sich die Besucher schon heute ein Bild davon machen, was zukünftig die
Welt des Bildermachens bestimmen wird.
Redakteur Willi Maciol